Abgelaufener Film sorgt für verblüffende analoge Fotos: BFF eröffnet Ausstellung

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Eine Berliner Ausstellung macht sichtbar, wie widerständige Handarbeit gegenwärtig an Bedeutung gewinnt: In der Galerie von Yves Sucksdorff zeigt die BFF‑Region Berlin unter dem Titel TROPICAL Exp. 36 neue Arbeiten, die alle auf demselben analogen Ausgangsmaterial basieren. Das Projekt stellt in Zeiten automatisierter Bilderzeugung die haptische, unvorhersehbare Seite der Fotografie in den Mittelpunkt.

Wie das Projekt entstand

Ursprung der Schau war kein kuratiertes Konzept, sondern ein Fundstück: Auf einem Dachboden entdeckte man eine alte Bonbondose mit dem Aufdruck „Tropical“. In der Dose lagen unterschiedlich gealterte Filme – von Farbnegativen über Schwarz-Weiß bis zu Roll- und Kleinbildfilm. Dieses heterogene Material wurde an Berufsfotografen aus ganz Deutschland verteilt und diente als gemeinsame Arbeitsgrundlage.

Abgelaufene Filmstreifen mit Verfallserscheinungen, Körnung und Lichtlecks
Die heterogenen Filmrollen dienten als gemeinsame kreative Arbeitsgrundlage für alle beteiligten Fotografen.

Aus der Limitierung entstand bewusst ein offener kreativer Raum: Körnung, Farbstiche, Lichtlecks und Verfallserscheinungen wurden nicht kaschiert, sondern als Gestaltungsressource genutzt. Das Ergebnis sind 36 Einzelbilder, die jeweils eine eigene Auseinandersetzung mit dem analog erzeugten Prozess dokumentieren.

Warum das jetzt relevant ist

In einer Phase, in der KI‑Werkzeuge Bildproduktion vereinfachen und standardisieren, gewinnt authentisch menschliches Handwerk an Profil. Die Ausstellung setzt genau dort an: Sie verdeutlicht, welche narrative und ästhetische Qualität aus Unvollkommenheit und technischem Zufall entstehen kann. Für Profis wie für ein Publikum ist das eine Erinnerung an die Wertigkeit analogen Arbeitens.

Fotografin arbeitet mit analoger Fotografie und handwerklichen Verfahren
Authentisches menschliches Handwerk gewinnt in Zeiten der KI-gestützten Bildproduktion an Bedeutung.

Die Beteiligten sind durchweg hauptberufliche Fotografen; viele bringen langjährige Erfahrung und teilweise internationale Anerkennung mit. Das Ergebnis ist weniger ein Demonstrationsstück technischer Perfektion als eine kollektive Studie zur Materialität und zum Zufall in der Fotografie.

  • Titel: TROPICAL Exp.
  • Kuratorischer Rahmen: BFF‑Region Berlin — Ausstellungsreihe BFF‑Triebwerk
  • Vernissage: 28. August 2026, 19:00 Uhr
  • Öffnungszeiten: 29. und 30. August 2026, 12:00–18:00 Uhr; anschließend bis 19. September 2026 jeweils nach Vereinbarung
  • Ort: Galerie Yves Sucksdorff, Meinekestr. 6, 10719 Berlin‑Charlottenburg
  • Teilnehmerzahl: 36 Fotografinnen und Fotografen, 36 neu entstandene Arbeiten

Auszug aus den teilnehmenden Fotografen (alphabetisch, Auswahl): J. Konrad Schmidt, Dominik Butzmann, Jens Oellermann, Moritz Leisen, Maria Uebele, Mareen Fischinger, Simon Puschmann, Marc Trautmann, Frank Linders. Die vollständige Liste umfasst 36 Namen aus Deutschland.

Was Besucher erwarten können

Die Arbeiten variieren stark: Einige Fotografien betonen den malerischen Charakter verblasster Farben, andere heben strukturelle Effekte wie Kratzer oder unregelmäßige Belichtungen hervor. Gemeinsam ist den Bildern eine ausgeprägte Materialästhetik — die Absurdität und Schönheit von Fehlern wird zur narrativen Ebene.

Für Fachpublikum und Fotografie‑Interessierte bietet die Schau Anknüpfungspunkte zu Fragen der Authentizität, zur Rolle des Zufalls in kreativen Prozessen und zum Verhältnis von analoger und digitaler Bildproduktion. Für Laien ist sie eine sinnliche Erfahrung: Bilder, die man als Ergebnis manueller Arbeit und serendipiter Entdeckungen wahrnimmt.

Die Ausstellung ist Teil der seit über einem Jahrzehnt laufenden Reihe BFF‑Triebwerk, die zeitgenössische Positionen beruflicher Fotografen aus Berlin und dem übrigen Deutschland präsentiert. In diesem Kontext funktioniert TROPICAL Exp. als Versuchsanordnung: ein gemeinsamer Ausgangspunkt — und 36 sehr individuelle Antworten darauf.

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