Nikon 70-200 mm f/2,8 S II: Härtetest zeigt echtes Profi-Potenzial

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Nikon hat sein professionelles 70–200-mm-Telezoom neu aufgelegt – deutlich leichter und mit einigen technischen Feinschliffen. Für Berufsfotografen und Amateure stellt sich jetzt die Frage: Reichen Gewichtsersparnis und bessere Stabilisierung, um den höheren Preis zu rechtfertigen? Wir haben die neue Generation im Labor und im Praxiseinsatz geprüft.

Handhabung und Ergonomie: spürbar schlanker

Im Vergleich zum Vorgänger fällt die neue Version sofort durch das reduzierte Gewicht auf: Rund ein Viertelkilo weniger macht sich bei längeren Einsätzen bemerkbar. Wer viel freihand arbeitet oder mit Gimbal filmt, profitiert direkt von der geringeren Belastung.

Das Zoom bleibt weiterhin ein Innenzoom, die Baulänge ändert sich beim Zoomen oder Fokussieren nicht. Das sorgt für eine konstante Balance und erleichtert die Arbeit mit schweren Kamerasystemen.

Neu ist eine komplett abnehmbare Stativschelle: Wird sie nicht gebraucht, lässt sie sich werkzeuglos entfernen und durch einen Abdeckring ersetzen. Die Schelle ist mit Arca‑Swiss-Systemen kompatibel, sodass zusätzliche Schnellwechselplatten in vielen Fällen entfallen.

Praktisch: Der frei belegbare Einstellring bietet nun eine wählbare Rastung über einen Click‑Schalter. Fotografen schätzen die haptische Rückmeldung bei der Blendenwahl, während Videofilmer weiterhin die stufenlose, leise Verstellung nutzen können.

Rund um den Tubus verteilt finden sich mehrere Funktionstasten; in der Praxis sind sechs frei programmierbare Tasten gut platziert, auch wenn sich das Druckgefühl zwischen den Tasten leicht unterscheidet. Das frühere OLED‑Informationsdisplay fehlt — im Einsatz haben wir dessen Wegfall aber kaum vermisst.

Schnellerer AF und wirksame Stabilisierung

Nikon versieht das Objektiv mit einem neuen Antrieb (Silky Swift Voice Coil Motor). Auf dem Datenblatt heißt es, der AF arbeite deutlich schneller und leiser als zuvor. In der Praxis reagiert der Autofokus sehr zügig, arbeitet präzise und bleibt dabei leise; besonders unter schlechten Lichtverhältnissen zeigte er stabile Treffer.

Zur Beschleunigung bietet das Objektiv einen Fokusbereichsbegrenzer mit zwei Einstellungen – sinnvoll, um im Telebereich unnötige Fokussierwege zu vermeiden.

Die eingebaute Bildstabilisierung zählt zu den herausragenden Merkmalen: Nikon nennt bis zu sechs Belichtungsstufen Kompensation, und in unseren Aufnahmen waren bei 200 mm noch überraschend lange Handhaltezeiten möglich. Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten bei Dämmerlicht deutlich.

Labor- und Praxisergebnisse

Im Prüfstand zeigt die überarbeitete optische Konstruktion starke Werte: Nikon hat von 21 auf 18 Linsenelemente reduziert und die Blende auf elf Lamellen erweitert. Das Zusammenspiel liefert exzellente Schärfe sowie eine sehr gute Korrektur häufiger Abbildungsfehler.

Interessanter Befund: Bei offener Blende liegt die Bildmitte teils minimal hinter dem alten Modell zurück, beim Abblenden spielt die neue Konstruktion ihre Stärken aus und erreicht im Zentrum beste Werte. Insgesamt bleibt die Abbildungsqualität auf hohem, professionellem Niveau.

Messungen an aktuellen Nikon‑Kameras bestätigten sehr kurze Auslöse‑ und Scharfstellzeiten; in einem direkten Labormetrik‑Vergleich war die neue Generation zwar nicht durchweg schneller als ihr Vorgänger, doch im praktischen Einsatz überzeugt die Kombination aus AF‑Performance und Stabilisierung.

Für wen lohnt sich das Upgrade?

Die Entscheidung hängt vom Einsatzzweck und Budget ab. Wer viel unterwegs ist, regelmäßig freihand bei wenig Licht arbeitet oder von der verbesserten Ergonomie profitiert, gewinnt mit dem neuen Modell spürbar an Komfort. Für Anwender, die primär auf das beste Preis‑Leistungs‑Verhältnis schauen, bleibt die erste Generation eine attraktive Alternative.

  • Pluspunkte: deutlich leichter, sehr effektive Bildstabilisierung, reichhaltige Bedienungselemente, hochwertige Verarbeitung, wetterfest
  • Weniger gut: bei Offenenblende leichte Abstriche in der Bildmitte gegenüber dem Vorgänger; spürbar höherer Preis

Kurzfazit

Das neue 70–200 mm f/2,8 VR S II ist ein konsequent modernisiertes Profizoom: schlanker, ergonomischer und mit starker Stabilisierung. Die optische Leistung ist exzellent, zeigt aber bei Offenblende kleinere Unterschiede zugunsten des älteren Modells. Wer den Mehrpreis von etwa 1.100 Euro (Neupreis gegen Straßenpreis des Vorgängers) für geringeres Gewicht, Bedienkomfort und bessere Stabilisierung bezahlt, erhält ein überzeugendes Werkzeug. Für preisbewusste Käufer bleibt das ältere Modell jedoch eine sehr attraktive Option.

Wichtige technische Daten

Bajonett / Sensorformat Nikon Z / Vollformat
Brennweite (KB-äquivalent an APS‑C) 70–200 mm (≈105–300 mm)
Maximale Lichtstärke konstant f/2,8
Optischer Aufbau 18 Elemente in 16 Gruppen
Blendenlamellen 11
Naheinstellgrenze 0,38 m
Filtergewinde 77 mm
Abmessungen (Ø × Länge) ca. 90 × 208 mm
Gewicht ~998 g
Autofokus‑Antrieb SSVCM (leise, schnell)
Bildstabilisierung Bis zu 6 EV (herstellerangabe)
Wetter- / Staubschutz Ja
Preis (UVP / Straßenpreis Vorgänger) ca. 3.350 € / Vorgänger rund 2.250 €

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