Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen
Das breite Seitenverhältnis 65:24 ist kein bloßer Nostalgietrend – es kehrt aktuell als kreatives Werkzeug in die digitale Fotografie zurück und verändert, wie Fotografen Bildkomposition denken. Wer heute Panoramen mit besonderer Bildwirkung sucht, sollte sich mit diesem Format beschäftigen: Es eröffnet neue Bildräume, fordert eine andere Bildsicht und liefert eine fast kinoreife Ästhetik.
Kurzer Blick in die Herkunft
Ursprünglich entstand das sehr breite Seitenverhältnis in der analogen Ära, als Spezialkameras Panoramaaufnahmen direkt auf Kleinbildfilm belichteten. Diese historischen Modelle erlaubten neben normalen 35-mm-Bildern auch extrem breite Panoramen – praktisch eine frühe Antwort auf den Wunsch nach großformatiger Bildwirkung ohne mehrere Belichtungen oder Stitchen.
Panoramafotos: mit diesen Objektiven gelingen beeindruckende Weitwinkelaufnahmen
Italiens Sommer neu in Szene gesetzt: Müßiggang weckt Sehnsucht
Warum die historische Praxis heute relevant ist
Die alten Vorbilder zeigten, dass Bildwirkung nicht allein von Megapixeln abhängt, sondern von der Art, wie Raum im Bild organisiert wird. Dieses Prinzip ist in der digitalen Fotografie wieder gefragt: Die moderne Technologie macht das Experimentieren mit ungewöhnlichen Seitenverhältnissen einfacher und reproduzierbarer.
Das Comeback im Digitalzeitalter
Einige Mittelformat- und Vollformatkameras bieten inzwischen einen festen **Sensor‑Crop** für 65:24 oder ermöglichen ihn per Menüeinstellung. Besonders Modelle aus der GFX‑Serie sowie ausgewählte Mittelformat‑ und S‑Systeme haben das Format wieder verfügbar gemacht.
Für Fotografen bedeutet das: Nicht mehr nur nachträgliches Zuschneiden, sondern die Möglichkeit, bereits beim Bildaufbau mit dem Panoramaverhältnis zu denken. Das verändert sowohl die Motivauswahl als auch Blickwinkel und Bildrhythmus.
Technik kurz erklärt
Das Seitenverhältnis 65:24 entspricht in etwa 2,7:1 – deutlich breiter als 3:2 oder 16:9. Praktisch heißt das, die Breite eines Bildes übersteigt seine Höhe fast um das Dreifache. Technisch wird dies meist als sogenannter Sensor‑Crop realisiert: Die Kamera nutzt nur einen schmaleren Ausschnitt der Sensorfläche.
Wichtig für die Praxis: Wer in diesem Format arbeitet, sollte in RAW fotografieren und auf einen kalibrierten Workflow setzen. Nur so bleiben Dynamik und Farben beim Export erhalten.
Anwendungen und gestalterische Folgen
Das 65:24‑Format verschiebt den Fokus von Einzelobjekten hin zu Beziehungen und Raumverläufen. Es eignet sich deshalb besonders für:
- Landschaften: Weite Horizonte, gestaffelte Ebenen und lange Vordergründe profitieren vom zusätzlichen Seitenraum.
- Architektur und Stadtansichten: Lange Fassaden, Straßenzüge oder komplexe Stadtschnitte lassen sich fokussierter erzählen.
- Storytelling in der Streetfotografie: Mehr Kontext heißt mehr erzählerische Möglichkeiten – Situationen können mit Umgebung und Nebenhandlungen gezeigt werden.
Gleichzeitig ist das Format keine Patentlösung für alle Motive. Enge Porträts oder stark vertikale Szenen verlieren an Wirkung; die Bildsprache muss bewusst angepasst werden.
Praktische Tipps für den Einsatz
Beim Fotografieren im 65:24‑Format hilft es, den Sucher oder Monitor auf die Bildgrenze einzustellen und nicht erst in der Nachbearbeitung zuzuschneiden. Achten Sie auf horizontale Linien, die Bildbalance und auf markante Vordergrundelemente, die das Panorama strukturieren.
Auch Bildbearbeitung und Ausgabeformate sollten Sie früh bedenken: Beim Drucken oder Publizieren in Sozialen Medien kann die extreme Breite Einschränkungen mit sich bringen. Planen Sie daher geeignete Formate für Web und Print mit ein.
Welche Kameras unterstützen das Format (Auswahl)
Nicht alle Kameras bieten einen eigenen 65:24‑Modus; bei vielen Modellen ist er als Crop‑Option oder über ein mittelformatiges Menü verfügbar. Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl gängiger Modelle mit ungefähren Angaben zur Sensorauflösung und einer Schätzung der resultierenden Pixelzahl, wenn der Sensor auf 65:24 beschnitten wird. Die Zahlen sind gerundete Angaben und können je nach Modell und Firmware leicht variieren.
| Kamera | Sensor (ca. MP) | 65:24 Crop (ca. MP) |
|---|---|---|
| Fujifilm GFX 100S / GFX 100 | 100 | ~50 |
| Fujifilm GFX 50S II | 50 | ~25 |
| Hasselblad X2D‑100 | 100 | ~50 |
| Panasonic LUMIX S5II | 24 | ~12–13 |
| Sony A7R V | 61 | ~30–35 |
| Canon EOS R5 | 45 | ~22–25 |
Fazit
Das 65:24-Seitenverhältnis ist mehr als ein gestalterischer Gag: Es zwingt zu einem anderen Sehen, schafft Raum für neue Erzählweisen und verleiht Bildern eine filmische Weite. Die digitale Verfügbarkeit dieses Formats macht es praktisch zugänglich – vorausgesetzt, Fotografen planen Aufnahme, Bearbeitung und Ausgabe bewusst.
Wer seine Bildsprache erweitern möchte, sollte das Format ausprobieren: Es fordert Kompositionsdisziplin und belohnt mit ungewöhnlicher Bildwirkung. Gerade jetzt, wo mehrere Kamerahersteller das Format unterstützen, ist der Moment günstig, um Panorama neu zu denken.












