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Die ZEISS IKON Nettar IIb ist mehr als ein Stück Fotogeschichte: Als kompakte Mittelformatkamera aus den 1950er-Jahren bringt sie heute praktische Lektionen für analog arbeitende Fotografen mit. Wer sie ausprobiert, erfährt schnell, warum alte Mechanik und einfache Bedienung noch immer reizvoll und lehrreich sind.
Erster Eindruck
Das vorgestellte Exemplar, hergestellt in den Jahren 1953–1959, präsentierte sich überraschend gepflegt. Gehäuse, Balgen und Bedienelemente wirkten kaum verschlissen; nur bei genauer Prüfung offenbarten sich altersübliche Gebrauchsspuren.
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Eine digital verfügbare Bedienungsanleitung half, Funktionen vor dem Belichten zu prüfen. Mechanisch lief die Kamera einwandfrei: Spannvorgang, Filmtransport und Auslöser zeigten keine Auffälligkeiten.
Kurzporträt
Die Nettar IIb ist eine typische Rollfilm-Klappkamera der 1950er-Jahre: kompakt zusammenklappbar, gebaut für das 6×6-Format und ausgestattet mit Technik, die auch in höherpreisigen Zeiss-Modellen verwendet wurde.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Herstellungszeitraum | ca. 1953–1959 |
| Bildformat | 6×6 (Rollfilm 120) |
| Objektiv | NOVAR Anastigmat 75 mm, f/6,3 (im vorliegenden Modell) |
| Blendenbereich | f/6,3–22 |
| Verschluss | typisch: Vario / Velio / Pronto / Prontor-Varianten (vorliegend: Vario) |
| Belichtungszeiten | ca. 1/25, 1/50, 1/100, 1/200 + B |
| Sucher | Durchsichtsucher (einfaches, nicht reflexives System) |
| Sonderausstattung | Doppelbelichtungssperre (nur bei bestimmten Typen/Signal-Ausführung) |
Warum das heute relevant ist
Die Kamera verbindet handfestes Handling mit fotografischer Grunddisziplin: präzise Belichtungswahl, bewusstes Aufnehmen und sorgfältige Filmhandhabung. Für die aktuelle Analogbewegung ist die Nettar IIb ein gutes Lehrstück.
Technik und Bedienung
Eine eingebaute Belichtungsmessung fehlt; in der Anleitung finden sich einfache Tabellen und Faustregeln für sonnige bzw. bedeckte Situationen. In der Praxis ist ein moderner, externer Belichtungsmesser empfehlenswert, wenn man präzise Ergebnisse möchte.
Der Blendenring wird über einen kleinen Hebel eingestellt, die Zeiten wählt man grob über die Verschlussvorwahl. Auffällig und praktisch ist die sogenannte rote Markierung an Blende und Fokussierung: bei Überlagerung von Markierungen sollte von rund 4 Meter bis unendlich eine ausreichende Schärfentiefe entstehen — ein nützlicher Trick für Schnappschüsse ohne aufwändiges Messen.
Filmaufzug und -zählwerk arbeiten mechanisch; ein manuelles Drehrad spannt den Film. Bei der hier getesteten Kamera fällt auf, dass ein locker gedrehter Rollfilm Lichtfehler verursachen kann — ein Punkt, auf den moderne Anwender achten sollten.
Sucher, Fokussierung, Besonderheiten
Der einfache Durchsichtsucher gibt eine schnelle Bildkontrolle, ersetzt aber keinen genauen Entfernungs- oder Schnittbildmesser. Die Schärfeeinstellung erfolgt über einen Fokusring mit Distanzangaben; in Kombination mit der relativ geschlossenen Anfangsöffnung von f/6,3 ist die Handhabung oft genügsam.
Bei bestimmten Ausführungen existiert eine mechanische Sperre, die Doppelbelichtungen verhindert und durch eine optische Anzeige auf der Kameraoberseite signalisiert wird — ein praktisches Detail für Serienaufnahmen.
Praxis-Insights
- Externer Belichtungsmesser verwenden: für präzise Einstellungen, besonders bei kontrastreichen Szenen.
- Film fest und gleichmäßig einlegen: lockeres Aufwickeln begünstigt Lichteinfall und ungewollte Effekte.
- Die rote Markierung als Schnellhilfe nutzen: praktisch bei Reportage- oder Straßensituationen.
- Auf die Verschlussvariante achten: nicht alle Modelle haben Selbstauslöser oder dieselben Zeiten.
- Erwartungen an Bildqualität: Das NOVAR liefert für den Alltag sehr ordentliche Resultate, Premiumobjektive anderer Serien bleiben aber besser aufgelöst.

Wirtschaftlicher Kontext der 1950er
Ein Blick auf damalige Preise macht die Bedeutung des Kaufs deutlich: Durchschnittseinkommen lagen im mittleren Bereich bei einigen hundert DM monatlich. Ein Kamerakauf von etwa 63 DM bis über 100 DM entsprach damit einem spürbaren Anteil eines Monatslohns.
- Rollfilm 120: etwa 1,80–2,50 DM; Farbfilm deutlich teurer (6–8 DM).
- Entwicklung/Abzüge: Schwarzweiß günstig, Farbabzüge deutlich teurer und damit seltener.
Das erklärt, warum Fotografieren damals oft überlegter und sparsamer erfolgte — jeder Bildimpuls war eine bewusste Entscheidung.
Eine Nutzererinnerung
Aus der Leserschaft kam ein persönlicher Bericht: Ein Langjähriger erzählte, die Nettar seiner Jugend sei die Familienkamera gewesen, mit der sich erste fotografische Erfahrungen formten. Für ihn war die Kamera weniger ein Gerät als ein Vehikel für Erinnerungen — und die Dunkelkammerarbeit ein wesentlicher Teil des Glücks beim Entwickeln der eigenen Bilder.
Ergebnisse und Fazit
Das Fotografieren mit der Nettar IIb macht Freude: die Kamera vermittelt ein solides, mechanisches Gefühl, und das 6×6-Format liefert großzügige Bildflächen mit analogem Charme. Die größten Herausforderungen sind heute weniger die Optik als die Filmhandhabung—insbesondere korrektes Einlegen und Schutz vor Lichteinfall.
Wer das analoge Arbeiten üben oder erleben will, bekommt mit der Nettar IIb ein lehrreiches und robustes Gerät. Neben technischen Einsichten bietet sie auch eine direkte Verbindung zur fotografischen Praxis der 1950er-Jahre — und das ist in Zeiten digitaler Instant-Fotografie ein attraktiver Kontrast.
Wenn Sie eigene Erfahrungen oder Erinnerungen mit dieser Kamera haben, teilen Sie sie gern in Foren oder Fotogruppen – solche Berichte ergänzen technische Analysen um lebendige Praxiswissen und machen alte Kameras erst richtig interessant.












