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Die Alfred Ehrhardt Stiftung zeigt vom 11. Juli bis 6. September 2026 die Ausstellung „Die Welt in einem Sandkorn sehen“ und rückt damit ein scheinbar banales Material in den Mittelpunkt – gerade jetzt relevant, weil Sand als rohstoffliche Grundlage für Technologie und Bauwesen zunehmend knapper wird. Die Präsentation verknüpft mikroskopische Bildwelten mit interaktiver Videokunst und macht sichtbar, welche ökologischen und sozialen Folgen der weltweite Bedarf an Sand hat.
Kleine Körner, große Zusammenhänge
Die Arbeiten des Fotografen Matthias Burba und des Medienkünstlers Max Seeger bündeln naturwissenschaftliche Genauigkeit mit künstlerischer Interpretation. Burba, dessen Arbeit aus jahrzehntelanger Probenführung entstanden ist, nutzt Polarisationsmikroskopie, um die feinen Strukturen und Farbmuster einzelner Körner herauszuarbeiten. Aus rund 800 internationalen Proben formt sich so ein visuelles Archiv, das mehr verrät als nur Herkunft: Kristallformen, Bruchflächen und Farbspiele liefern Hinweise auf geologische Prozesse, die über Millionen Jahre wirkten.
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Burbas Bilder erinnern weniger an naturwissenschaftliche Abbildungen als an abstrakte Malerei; sie fordern dazu auf, das Kleine als Spiegel größerer Systeme zu lesen – ein Gedanke, der bis zu William Blake zurückführt und hier in eine zeitgenössische Bildsprache übersetzt wird.
Interaktive Perspektiven: „Ingrained“
Seegers raumgreifende Videoinstallation Ingrained erweitert diesen Blickwinkel. Die Arbeit verbindet digitale Bildräume mit dokumentarischen Sequenzen, sodass sich aus einzelnen Körnern ein Bild globaler Verflechtungen zusammensetzt: Abbauorte, Handelswege und die ökonomischen sowie ökologischen Konsequenzen treten als Schichten zutage. Besucherinnen und Besucher können so Zusammenhänge zwischen lokalen Landschaften und globaler Nachfrage unmittelbar nachvollziehen.
Die Gegenüberstellung von mikroskopischer Präzision und medialer Übersetzung schafft ein Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Ästhetik und gesellschaftlicher Relevanz.
Warum das jetzt wichtig ist
Sand ist mehr als Strand und Kinderspielzeug: Als Hauptbestandteil von Siliziumdioxid steckt er in Mikroelektronik, Glas, Solarzellen und in riesigen Mengen im Bauwesen. Nicht jedes Sandkorn ist dafür geeignet; Korngröße und Zusammensetzung entscheiden über die Nutzbarkeit.
Mit der wachsenden Nachfrage haben sich die ökonomischen Rahmenbedingungen drastisch verändert: Preise sind in einigen Regionen in den letzten zwei Jahrzehnten stark gestiegen, und intensiver Abbau schädigt Fluss- und Küstenökosysteme. Folgen sind Erosion, Verlust von Lebensräumen und eine erhöhte Anfälligkeit von Küsten für Sturmfluten und den Meeresspiegelanstieg.
- Was die Ausstellung zeigt: Mikrofotografien, eine interaktive Videoinstallation und Verknüpfungen zu geologischen und ökologischen Themen.
- Ort: Alfred Ehrhardt Stiftung, Berlin.
- Laufzeit: 11. Juli – 6. September 2026. Eröffnung am 10. Juli 2026, 19–21 Uhr, in Anwesenheit der Künstler.
- Künstler: Matthias Burba (Fotografie) und Max Seeger (Video/Installation).
- Begleitprogramm (Auswahl):
- 23. Juli 2026, 19 Uhr: Vortrag „Das flüchtige Bild: Salzdruck und Natur im Spiegel der Zeit“ mit Werken von Joachim Froese.
- 27. August 2026, 19 Uhr: Lichtbildervortrag „Sand – Ressource, Leben, Sehnsucht“ von Moritz Ohlig (Kurator, Museum Sinclair-Haus).
Die Ausstellung bietet keine einfachen Antworten, sondern verbindet genaue Beobachtung mit kritischer Einordnung: Wer sich die Bilder anschaut, sieht nicht nur Materialproben, sondern wird auch mit Fragen nach Ressourcenverbrauch, Verantwortung und Zukunftsfähigkeit konfrontiert. Für Besucherinnen und Besucher heißt das: Ästhetik trifft auf Dringlichkeit.
Praktische Hinweise zur Anreise und Öffnungszeiten sowie Informationen zu weiteren Programmpunkten finden sich vor Ort in der Alfred Ehrhardt Stiftung. Die Eröffnung am 10. Juli bietet die Gelegenheit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen und die Intentionen hinter den Arbeiten direkt zu erfahren.












