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In Berlin richtet die Alfred Ehrhardt Stiftung diesen Sommer den Blick auf ein scheinbar banales, zugleich politisch und ökologisch aufgeladenes Material: Sand. Die Ausstellung, die vom 11. Juli bis 6. September 2026 läuft, verknüpft bildwissenschaftliche Mikroskopie mit interaktiver Videokunst und macht sichtbar, warum Sand heute nicht nur für Bildende Kunst, sondern auch für Industrie, Küstenschutz und Klimafolgen relevant ist.
Unter dem Leitgedanken „Die Welt in einem Sandkorn sehen“ zeigt die Stiftung die Arbeiten von Matthias Burba und Max Seeger und eröffnet zugleich eine Debatte über Ressourcenverbrauch und Umweltfolgen.
Was die Ausstellung zeigt
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Im Zentrum stehen zwei künstlerische Annäherungen: die mikroskopischen Fotografien von Burba, die einzelne Körnchen als farbige, strukturierte Gebilde erfassen, und Seegers raumgreifende Videoinstallation, die Materialkreisläufe und soziale Verflechtungen thematisiert.
Matthias Burba: Archiv und Mikroskop
Burba, der einst als Forensiker arbeitete und seine Wahrnehmung als Synästhetiker beschreibt, hat rund 800 Sandproben aus aller Welt gesammelt. Im Polarisationsmikroskop setzt er Licht und Filter so ein, dass mineralische Unterschiede und feinste Strukturen sichtbar werden. Die Aufnahmen lesen sich zugleich als visuelles Archiv: Farben und Muster geben Hinweise auf Herkunft, geologische Prozesse und lange Zeiträume der Verwitterung.
Seine Bilder verzichten auf bloße Abbildung; sie verwandeln winzige Partikel in fast malerische Kompositionen und übertragen die Idee, dass das Kleinste auf das Große verweist.
Max Seeger: Die Installation „Ingrained“
Seegers Beitrag ist eine interaktive Filmarbeit, die lokale Körnchen mit globalen Geschichten verbindet. Digitale Bildräume treffen auf dokumentarische Sequenzen; Besucherinnen und Besucher können ihren Blick zwischen Mikroskopischem und Systemischem verschieben. Die Arbeit zielt darauf ab, Wirtschaftsbeziehungen, Abbaupraktiken und ökologische Folgen des Sandverbrauchs sichtbar zu machen.
Warum das Thema jetzt wichtig ist
Sand ist nicht nur Baustoff: Als Siliziumdioxid liefert er Rohmaterial für Mikrochips, Glas, Solarzellen und optische Komponenten. Gleichzeitig wächst der Bedarf weltweit — mit spürbaren Folgen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten stiegen die Preise für bestimmte Sandarten drastisch; in Einzelfällen werden Zuwächse im vierstelligen Prozentbereich berichtet. Intensiver Abbau führt an vielen Küsten zu Erosion, zerstört Lebensräume und schwächt natürliche Puffer gegen den Meeresspiegelanstieg.
| Ausstellung | Die Welt in einem Sandkorn sehen |
|---|---|
| Ort | Alfred Ehrhardt Stiftung, Berlin |
| Laufzeit | 11. Juli – 6. September 2026 |
| Vernissage | 10. Juli 2026, 19–21 Uhr (in Anwesenheit der Künstler) |
| Künstler | Matthias Burba & Max Seeger |
| Installation | Ingrained (interaktive Videoinstallation) |
Begleitprogramm (Auswahl)
- 23. Juli 2026, 19: Vortrag „Das flüchtige Bild: Salzdruck und Natur im Spiegel der Zeit“ mit Joachim Froese
- 27. August 2026, 19: Lichtbildervortrag „Sand – Ressource, Leben, Sehnsucht“ von Moritz Ohlig (Kurator, Museum Sinclair-Haus)
Die Ausstellung verbindet künstlerische Sinneserfahrung mit informationsreicher Kontextualisierung: Wer sich die Arbeiten anschaut, bekommt nicht nur ästhetische Eindrücke, sondern auch Einsichten in geologische Abläufe, industrielle Abhängigkeiten und ökologische Risiken. In Zeiten wachsender Rohstoffkonkurrenz liefert die Schau eine kompakte, visuelle Einführung in ein Thema, das unmittelbare Folgen für Infrastruktur, Klimaanpassung und lokale Lebensräume hat.
Vor dem Besuch empfiehlt sich ein Blick auf das Begleitprogramm: Die Vorträge vertiefen historische Drucktechniken, fotografische Zugänge und die politischen Dimensionen des Sandabbaus — Themen, die über das Bild hinausgreifen und die Ausstellung in eine größere Debatte einbetten.












