Mittelformatkamera VZ-6617 revolutioniert 120er-Film: Fotografen müssen jetzt umdenken

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Ein neues Kickstarter-Projekt will das analoge Mittelformat neu denken: Die Kamera VZ-6617 von Exposing Engineering verspricht, auf einer einzigen 120er-Rollfilm-Spule verschiedene Bildformate von quadratisch bis Panorama zu belichten. Für Fotografen bedeutet das mehr kreative Freiheit – und neue technische Fragen bei Fokus, Brennweitenwahl und Weiterverarbeitung.

Wie das System funktioniert

Hinter dem Projekt steht ein kleines Entwicklerteam um Francis Garing, das die Kamera als modulare, 3D‑gedruckte Konstruktion konzipiert hat. Statt sich vor Beginn einer Filmrolle auf ein Format festzulegen, lässt sich die belichtete Fläche während der Arbeit stufenlos anpassen – laut Hersteller von etwa 6×6 bis 6×17. Der Filmtransport ist manuell, der Verschluss sitzt im Objektiv (Leaf‑Shutter), und die Objektive werden über wechselbare Konen montiert.

Merkmal Angabe
Filmtyp 120 Rollfilm
Formate Variabel, ca. 6×6 bis 6×17 (stufenlos)
Transport Manuell
Verschluss Leaf‑Shutter im Objektiv
Fokussierung Manuell, Helikoid in Objektivkonus
Gehäuse 3D‑gedruckt, modular
Gewicht Ca. 925 g (Body); ~1,85 kg mit Objektiv
Abmessungen Ca. 290 × 120 × 70 mm
Besonderheiten Wechselbare Konen, abnehmbare Rückwand, magnetischer Auslöser

Besondere Eigenschaften und praktische Details

Die VZ‑6617 bringt mehrere ungewöhnliche Merkmale zusammen. Besonders hervorzuheben sind:

  • Ein stufenlos verstellbares Filmfenster, das mehrere Formate auf einer Rolle erlaubt.
  • Wechselbare Objektivkonen mit integriertem Dunkelschieber, die Objektivwechsel während der Rolle ermöglichen.
  • Auf Großformat ausgerichtete Objektive mit großem Bildkreis (rund 180 mm), um Panorama‑Negative zu belichten.

Weitere Konstruktionsmerkmale: Messing‑Helikoide mit Skala für Zonenfokus, mehrere Wasserwaagen zur Ausrichtung, Zubehörschuhe für Sucher oder Belichtungsmesser sowie ein reparaturfreundliches Design mit gängigen Werkzeugen.

Wo das Konzept seine Stärken hat

Die Flexibilität, das Seitenverhältnis ins fotografische Denken zurückzuholen, ist der zentrale Vorteil. Aufnahmen im Quadrat, im klassischen Mittelformat oder als Panorama lassen sich in einer Sequenz realisieren — das eröffnet neue Bildfolgen und kreative Experimente, ohne Filmwechsel und ohne unterschiedliche Magazine.

Für Porträts mit ruhiger Inszenierung, Landschaften oder architektonische Serien kann das Konzept echte Vorteile bieten: Es zwingt zu überlegtem Bildaufbau und erlaubt, das Format gezielt als gestalterisches Werkzeug einzusetzen.

Worauf Nutzer achten müssen

Gleichzeitig bringt das System klare Einschränkungen mit sich. Drei Punkte sind besonders relevant:

  • Stativpflicht: Die Kamera ist für ein bedachtes Arbeitstempo ausgelegt. Schärfe und Bildkomposition profitieren erheblich von einem stabilen Stativ.
  • Fokussierung ohne Mattscheibe: Es gibt keine eingebaute Mattscheibe oder Messsucher; präzises Scharfstellen erfolgt über Skalen und Entfernungsabschätzung. Das ist eher Zonenfokus als präzise Einstellschärfe — besonders bei offener Blende problematisch.
  • Labor- und Scan‑Workflow: Viele Labore sind auf feste Negativformate eingestellt; ungewöhnliche Bildabstände auf einer Rolle können beim Scannen und beim Einlegen in Schrittbelichter Probleme machen.

Praktische Empfehlung: Arbeiten Sie häufiger mit kleineren Blenden (z. B. ab f/11) und nutzen Sie die Hyperfokaldistanz, um reproduzierbar scharfe Ergebnisse zu erzielen.

Objektive und Bildkreis

Damit die Kamera tatsächlich bis zu 6×17 ausleuchten kann, braucht es Objektive mit sehr großem Bildkreis. Klassische Großformat‑Superweitwinkel oder spezielle Panorama‑Objektive kommen infrage. Beispiele, die in diesem Kontext oft genannt werden, sind ältere Schneider‑, Rodenstock‑ oder Fuji‑SW‑Linsen – wichtig ist die ausreichende Bildkreisgröße und die mechanische Kompatibilität mit den Konen.

Objektivwechsel während der Rolle

Technisch möglich macht das ein Dunkelschieber in der Konus‑Mechanik: Vor dem Wechsel wird der Film lichtdicht geschützt, erst dann lässt sich die Linse tauschen. Das ist eine elegante Lösung, verlangt aber diszipliniertes Vorgehen und Vertrauen in die Abdichtung.

Für wen die VZ‑6617 passt — und für wen nicht

Die Kamera richtet sich an bewusste, analoge Fotografen, die Zeit für Komposition und Formatwahl mitbringen. Landschafts- und Architekturfotografen sowie bildgestaltende Projektfotografen werden das Konzept eher schätzen.

Rasant arbeitende Reportage‑ oder Street‑Fotografen, die schnelle Fokussierung und automatische Abläufe benötigen, dürften mit der VZ‑6617 unzufrieden sein. Ebenso sollten Backer die typische Unsicherheit von Crowdfunding‑Projekten bedenken: Serienproduktion, Lieferzeiten und finale Materialqualität können von Prototypen abweichen.

Fazit

Die VZ‑6617 ist kein Mainstream‑Produkt, sondern ein mutiger Entwurf für ein bewusstes analoges Arbeiten: Sie erweitert die gestalterischen Optionen auf einer Filmrolle, verlangt aber Gegenseitigkeit — in Form von Zeit, technischem Können und passender Nachbearbeitung. Für Fotografen, die das Mittelformat langsam und kontrolliert denken wollen, ist das Projekt reizvoll; wer unkomplizierte, schnelle Ergebnisse sucht, sollte Abstand halten oder das Crowdfunding mit Vorsicht begleiten.

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