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Wer bestimmt heute, welche Bilder uns erreichen — Menschen, Maschinen oder Algorithmen? Die Berliner Künstlerin und Softwareentwicklerin Carola Lampe lotet genau diese Frage in ihrer Arbeit „Tell Me What To See“ aus und zeigt, wie eng Wahrnehmung, Daten und Technik inzwischen verwoben sind. Die Ausstellung ist vom 14. August bis 20. Oktober 2026 bei Fotografiska Berlin zu sehen.
Lampe spielt mit der Unterscheidung von Echt und Künstlich: Neben dokumentarischen Stadtaufnahmen präsentiert sie gestellte Szenen und experimentelle Arbeiten, die mit Bildgeneratoren, 3D-Umgebungen und digitalen Retuschen entstanden sind. Der Anspruch ist weniger technikgläubig als analytisch — die Bilder sollen irritieren und zum Nachdenken über Kontrolle, Vertrauen und Sichtbarkeit anregen.
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Was die Schau zeigt
Die Arbeit begann gegen Ende 2019 und wurde zu einem Zeitpunkt fertiggestellt, bevor KI in der breiten Öffentlichkeit zum Dauerthema wurde. Seitdem hat sich der Kontext verändert: Mit Tools, die fotorealistische Bilder in Sekunden erzeugen können, bekommt Lampedos Thema eine neue Dringlichkeit. Besucherinnen und Besucher sollen nicht nur die Ästhetik sehen, sondern sich fragen, wie Bilder unsere Realität formen — und wer davon profitiert.
Im Zentrum stehen drei Bildschichten, die Lampe kombiniert:
- Streetfotografie als dokumentarische Basis — reale Orte, reale Figuren.
- Inszenierte Studioaufnahmen, die bewusst eine maschinelle Ästhetik nachahmen.
- Experimentelle, digital erzeugte Motive mittels KI, 3D-Screenshots und Bildbearbeitung.
Konzept und Arbeitsweise
Lampe verbindet künstlerische Praxis und technische Expertise. Sie ging mit klassischer Kamera auf die Straße, baute im Studio kleine Szenen nach und arbeitete daneben mit digitalen Modellen. Durch die Kombination entstehen Bilder, bei denen die Betrachterinnen nicht immer sicher sein können, ob das Motiv fotografiert oder generiert wurde — eine gezielte Unschärfe zwischen Authentizität und Simulation.

Wichtig war ihr weniger die Demonstration technischer Raffinesse als die Frage nach Wahrnehmung: Was nimmt eine Maschine wahr, welche Muster reproduziert sie, und wie unterscheidet sich das vom menschlichen Sehen? Bei Experimenten mit begrenzten Datensätzen zeigte sich laut Lampe, wie schnell Modelle vorhandene Muster verstärken statt neue Bedeutungen zu schaffen.
Warum das jetzt relevant ist
Die Ausstellung trifft einen Moment, in dem Bild- und Informationsräume neu verhandelt werden. Algorithmen und KI beeinflussen zunehmend, welche Inhalte wir sehen — von Social Feeds bis zu Nachrichtenmedien. Das hat praktische Folgen: Erhöhte Desinformation, die Bildung von Filterblasen, und neue Möglichkeiten der Überwachung und Machtkonzentration.

Gleichzeitig betont Lampe, dass Technik nicht ausschließlich negativ ist: In Bereichen wie Medizin oder Forschung kann KI echten Nutzen stiften. Dennoch bleibt die zentrale Frage politisch und gesellschaftlich: Wer steuert die Systeme, welche Daten werden genutzt und welche Formen von Kontrolle entstehen daraus?
Ein paar zentrale Punkte auf einen Blick
- Eröffnung: 13. August 2026, 19:00 Uhr
- Laufzeit: 14. August – 20. Oktober 2026
- Ort: Fotografiska Berlin
- Kuratorin: Marie‑Luise Mayer (in Zusammenarbeit mit der Künstlerin)
Hintergrund zur Künstlerin
Carola Lampe lebt in Berlin und verbindet künstlerische Ausbildung mit Erfahrung in der Softwareentwicklung. Sie hat einen Master in Bildender Kunst, besuchte Seminare an der Ostkreuzschule für Fotografie und ist international ausgestellt worden. In den vergangenen Jahren erhielt sie Auszeichnungen und Förderungen, unter anderem Rückmeldungen durch europäische Förderplattformen und Festival‑Jurys.
Ihr Werk kreist um die Schnittstellen von Technik und Gesellschaft: Wie verändern digitale Prozesse das Verhältnis von Realität und Fiktion, und welche gesellschaftlichen Folgen ergeben sich daraus? „Tell Me What To See“ ist ein Versuch, diese Fragen visuell zu verhandeln, ohne einfache Antworten zu liefern.
Kuratorisches und Produktion
Die Ausstellung wurde von Marie‑Luise Mayer zusammen mit der Künstlerin kuratiert und realisiert. Partner und Kooperationspartner sind unter anderem Institutionen aus Berlin und die Fotodruckerei WhiteWall, die Produktions- und Druckarbeiten unterstützte.
Die Serie richtet sich an ein Publikum, das sich für Fotografie, digitale Kultur und die politischen Dimensionen von Technologie interessiert. Wer die Ausstellung besucht, sollte mit visueller Unschärfe rechnen — und mit Bildern, die Fragen aufwerfen, die heute wichtiger sind als je zuvor.











