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Ein neues, kostenloses Software‑Paket will Photoshop und Lightroom Konkurrenz machen – lokal, offen und ohne Abo. Für Nutzerinnen und Nutzer, die Wert auf Datenschutz und Open‑Source‑Werkzeuge legen, ist das Projekt aktuell besonders interessant: Es zeigt, wie schnell sich professionelle Bildbearbeitung außerhalb großer Konzerne entwickeln kann.
Was PhotoCraft bietet
PhotoCraft orientiert sich in Bedienung und Struktur an klassischen Bildbearbeitungsprogrammen, bringt aber eigene technische Grundlagen mit. Die Anwendung unterstützt Ebenen, Masken, Text‑ und Vektorebenen sowie diverse Einstellungsebenen und -effekte. Dateien im PSD/PSB‑Format lassen sich öffnen, bearbeiten und wieder abspeichern; die Entwickler berichten, dass von 135 Testdateien 134 unversehrt zurückgeschrieben wurden.
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Die Auswahl von Motiven und Objekten erfolgt vollständig auf dem lokalen Rechner – es wird weder ein Cloud‑Service noch ein Benutzerkonto benötigt. Die Software ist vollständig in Rust geschrieben, nutzt die GPU für Rendering und läuft unter macOS, Windows, Linux und sogar im Browser.
LightCraft: Raw‑Workflow ohne Abo
LightCraft ergänzt die Suite um eine nicht‑destruktive Raw‑Entwicklung und eine einfache Bildverwaltung. Die Verarbeitung passiert in einer 32‑Bit‑Float‑Pipeline; Originaldateien bleiben unangetastet.

Zur Ausstattung gehören Tonwert‑ und Farbanpassungen, Kurven, ein Farbmixer mit mehreren Bändern, Color‑Grading‑Räder sowie Presets. Masken lassen sich mit Pinsel, Verläufen oder per Auswahl von Farbe und Luminanz erzeugen; automatische Masken für Himmel und Motiv sind vorhanden, aber noch nicht fehlerfrei.
Unterstützte Raw‑Formate umfassen gängige Typen wie DNG, CR2, ARW, NEF, RAF, RW2, PEF und ORF. Eine einfache Bibliothek mit Alben, Bewertungen und Suchfunktionen rundet das Paket ab.
Die Crafting‑Familie auf einen Blick
- VectorCraft – Vektorzeichnung und Illustration, konzipiert als Alternative zu gängigen Vektorprogrammen.
- FilmCraft – Videoschnitt, Farbkorrektur und Tonbearbeitung; zielt auf Nutzer kleinerer Schnittprojekte ab.
- PrintCraft – PDF‑Management und Schutzfunktionen als Ersatz für klassische PDF‑Werkzeuge.
- EffectCraft – Motion Graphics und visuelle Effekte für Compositing‑Aufgaben.
- DesignCraft – Layout‑ und Publishing‑Tools für mehrseitige Dokumente.
Technik, Lizenz und Herkunft
Alle Programme sind quelloffen und stehen unter permissiven Lizenzen wie MIT oder Apache‑2.0. Der Quellcode ist öffentlich auf GitHub verfügbar, sodass Interessierte die Entwicklung verfolgen oder selbst beitragen können.
Hinter dem Projekt steht der Entwickler Brandon Thomas. Laut Berichten nutzte das Team generative KI‑Werkzeuge (angeführt wird Anthropics‘ Claude Opus 5.5) bei der Entstehung der Software. Die Macher beschreiben die Apps als Clean‑Room‑Neuimplementierungen – also ohne Verwendung von Adobes Quellcode – eine Aussage, die bisher nicht unabhängig verifiziert wurde.
Wo die Software jetzt steht
Die Anwendungen sind größtenteils noch in frühen Entwicklungsstadien; PhotoCraft wird als Alpha bezeichnet. In der Praxis bedeutet das: Viele Funktionen sind schon nutzbar und das Bedienkonzept ist vertraut, doch Stabilität und Feature‑Tiefe reichen derzeit noch nicht für professionellen Dauereinsatz.
Kurz getestet: Wer bereits Erfahrung mit Photoshop oder Lightroom hat, findet sich schnell zurecht. Für Projekte, die auf Verlässlichkeit und ausgereifte Workflows angewiesen sind, empfehlen sich die neuen Werkzeuge derzeit weniger.
Warum das relevant ist
Die Initiative trifft mehrere aktuelle Trends: steigende Nachfrage nach Alternativen zu abonnementbasierten Programmen, stärkerer Fokus auf lokale Verarbeitung aus Datenschutzgründen und das Wachstum von Open‑Source‑Projekten im Kreativbereich. Ob diese Angebote Adobe dauerhaft unter Druck setzen können, hängt von Stabilität, Funktionsumfang und rechtlicher Klärung ab.
Folgende Punkte sind dabei besonders zu beobachten:
- Kompatibilität mit etablierten Dateiformaten (PSD/PSB, RAW‑Formate)
- Langfristige Wartung und Community‑Support
- Rechtliche Einschätzungen zu Clean‑Room‑Ansprüchen und KI‑Einsatz
- Reale Performance im produktiven Einsatz
Fazit
Das Projekt wirkt ambitioniert und bietet eine klare Alternative zur proprietären Softwarewelt – vorerst aber eher als Entwicklungsplattform und Experimentierfeld denn als direkter Ersatz für den täglichen Profi‑Workflow. Wer Open‑Source‑Tools und lokale, kontofreie Verarbeitung bevorzugt, sollte die Entwicklung im Blick behalten; für kritische Produktionsumgebungen ist Geduld gefragt.
Würden Sie einer quelloffenen Alternative zu Photoshop oder Lightroom eine Chance geben, oder bleiben Sie bei bewährter Software?












