Leica Galerie München präsentiert Kit Youngs neue monochrome Studie zur urbanen Ruhe

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Die Leica Galerie München zeigt bis zum 24. Oktober 2026 eine Einzelausstellung des Briten Kit Young, die sich ganz auf handwerklich gefertigte Schwarzweißfotografien konzentriert. Wer die Schau besucht, trifft auf zwei gegensätzliche Bildwelten — urbane Straßenszenen und weite Landschaften — und erfährt, warum der analoge Prozess für Young ebenso wichtig ist wie das Motiv selbst.

Zwischen Großstadt hektik und ländlicher Ruhe

Auf der einen Seite stehen Bilder aus Paris, New York und Venedig: flüchtige Alltagssituationen, Details von Straßenräumen, Menschen in Bewegung. Auf der anderen Seite zeigen Aufnahmen aus Schottland und Wales Raum, Licht und subtile Abstufungen von Grau, die eher an Landschaftsmalerei als an Reportage erinnern.

Flüchtige Alltagssituation in einer belebten Straße mit Menschen in Bewegung, schwarzweiß fotografiert
Urbane Szenen aus Paris und New York: flüchtige Momente des Alltags in Youngs charakteristischer Schwarzweißästhetik

Die Gegenüberstellung macht sichtbar, wie unterschiedlich Young mit Form, Linie und Tonwerten arbeitet — zugleich verbindet beide Serien eine reduzierte, beobachtende Bildsprache.

Die Arbeit in der Dunkelkammer ist Teil des Werks

Für Young endet eine Aufnahme nicht mit dem Klick. Die Negative sind Ausgangspunkt, nicht Fertigprodukt: In der Dunkelkammer trifft er alle Entscheidungen zu Kontrast und Ton.

Dunkelkammer mit Vergrößerungsgerät und handwerklicher Ausarbeitung von Silbergelatine-Abzügen
Die Dunkelkammer ist für Young nicht nur Werkstatt, sondern integraler Teil des künstlerischen Prozesses

Er fertigt seine Silbergelatine-Abzüge persönlich an und betrachtet Kameraarbeit und Ausbelichtung als zwei Phasen einer zusammengehörigen Praxis. Laut Galerie wurden die für München gezeigten Drucke ganz bewusst von ihm selbst entwickelt.

Keine starren Serien, Auswahl als Prozess

Young arbeitet ohne festes konzeptuelles Raster. Seine Bilder entstehen auf ausgedehnten Streifzügen, bei denen er auf Licht, Formen und überraschende Momente achtet.

Entscheidungen für Serien fallen oft erst später: Wiederholte Sichtungen von Kontaktbögen führen dazu, dass Aufnahmen Monate oder Jahre nach der Aufnahme noch relevant werden. Das Ergebnis oszilliert zwischen dokumentarischer Genauigkeit und einer Abstraktion, die mit Reflexionen, Unschärfen und klaren Kompositionen spielt.

Kamera und Druck: zwei unterschiedliche Disziplinen

Young bezeichnet sich selbst sowohl als Fotograf als auch als Printer. Die Aufnahme ist für ihn eher spontan; die Ausarbeitung hingegen systematisch und deliberativ.

Ein charakteristisches Merkmal seiner Drucke ist die Einbeziehung des ganzen Negativs: Die sichtbaren vier Ränder markieren, welcher Ausschnitt bereits bei der Aufnahme gewählt wurde — ein bewusster Hinweis auf den Entstehungsprozess.

Kurzbiografie und Ausstellungsfokus

Geboren 1984, vertiefte Kit Young seine fotografische Arbeit ab 2009, nachdem er nach Frankreich gezogen war. In Paris schloss er sich einem Kreis um den Fotografen Gérard Moulin an und intensivierte seine Beschäftigung mit analoger Fotografie und dem klassischen Schwarzweißabzug.

Seither wurden seine Bilder international gezeigt und in Monografien veröffentlicht. Die Münchner Präsentation konzentriert sich auf Schwarzweißaufnahmen aus verschiedenen Schaffensphasen und Regionen.

  • Titel: Zwischen Stadt und Stille — Fotografien von Kit Young
  • Laufzeit: bis 24. Oktober 2026
  • Ort: Leica Galerie München, Maffeistraße 4, 80333 München
  • Eintritt: frei
  • Besonderheit: Alle gezeigten Silbergelatine-Abzüge wurden laut Galerie von Young in seiner eigenen Dunkelkammer hergestellt

Für Besucher ist die Schau eine seltene Gelegenheit, handgearbeitete Abzüge in Originalgröße und mit sichtbaren Negativrändern zu sehen — ein Gegenentwurf zur sofortigen Verfügbarkeit digitaler Bilder.

Warum das jetzt relevant ist: In einer Zeit, in der Bilder größtenteils digital entstehen und verbreitet werden, bietet die Ausstellung einen praktischen Einblick in analoge Entscheidungsprozesse und die taktile Qualität von Drucken — Aspekte, die die Bedeutung fotografischer Autorenschaft neu akzentuieren.

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